- Autorin: Elif Shafak
- Genre: Literarischer Surrealismus
- Sprache: Englisch
- Erschienen: 2019
- Datum: 26.07.2025
Eine emotionale Achterbahnfahrt
Klappentext:
So sehr Leila es auch dreht und wendet: Sie wurde ermordet.Wie konnte es zu dieser Tat kommen? Fieberhaft denkt sie zurück an die Schlüsselmomente ihres aufreibenden Lebens, an den Geschmack von gewürztem Ziegeneintopf aus ihrer Kindheit, an den Gestank der Straße der Bordelle, wo sie arbeitete, und den Geruch von Kardamomkaffee, den sie mit einem jungen Mann teilte, der zu ihrer großen Liebe wurde. Elif Shafak erzählt in ihrem neuen Roman von einer Frau, die am Rand der Gesellschaft Halt sucht, wo Freundschaften tief sind, aber das Glück flüchtig. (Deutscher Titel: Unerhörte Stimmen)
‚In the first minute following her death, Tequila Leila’s consciousness began to ebb, slowly and steadily, like a tide receding from the shore. Her brain cells, having run out of blood, were now completely deprived of oxygen. But they did not shut down. Not right away…‘
For Leila, each minute after her death brings a sensuous memory: the taste of spiced goat stew, sacrificed by her father to celebrate the long-awaited birth of a son; the sight of bubbling vats of lemon and sugar which the women use to wax their legs while the men attend mosque; the scent of cardamom coffee that Leila shares with a handsome student in the brothel where she works. Each memory, too, recalls the friends she made at each key moment in her life – friends who are now desperately trying to find her. . .
Rezension:
Dieser Roman von Elif Shafak war mein erster Eindruck der Autorin, aber mein Gott, hat sie Eindruck hinterlassen. Die Geschichte der Sexarbeiterin Leila führt einen durch ein Istanbul in verschiedenen Zeiten, zur Eröffnung der Europabrücke und schlussendlich hinter die Kulissen des Rotlichtviertels von Istanbul.
Shafak mischt hier wunderbar Elemente des klassischen Familienromans mit spannendem Surrealismus. Wir beobachten ihren eigenen Werdegang, ihre Jugend, wie sie ihre Freund*innen kennengelernt hat und ihre Familie verlor. Diese Freund*innen sind ein toller, bunter Haufen, der ihre Familie bildet und der sich nach Leilas Tod immer noch um ihre Würde und Bestattung kümmern. Kritik an Polizei, Politik und System wird hier definitiv zum Kernthema, sowohl historisch, als auch aktuell. Abenteuerlich wird hier für Akzeptanz, Respekt und Gleichberechtigung gekämpft und neu definiert, was Liebe bedeutet.
Elif Shafak schafft es, ein atmosphärisches Istanbul aufzuzeigen und uns durch verschiedenen Generationen mitzunehmen, in eine Welt, in der Freiheit und Verpflichtungen sehr eng miteinander verwoben sind.
Spannungen kommen vor allem deshalb zu Stande, weil wir neben dem emotionalen Auf und Ab und historischen Einblicken auch Leilas Mord lösen. Der Comedic-Relief, den man immer wieder präsentiert bekommt, sorgt für die nötige Entspannung, bevor man dann wieder sanft aber bestimmt in ein Tränenmeer gestürzt wird.
Ich liebe Geschichten, die unkonventionelle Familien und Freund*innengruppen aufzeigen. Liebe ist für jeden etwas anderes und diese spürt man durch das gesamte Buch.
Meine Ausgabe kam mit einer Karte und einem Foto am Ende, welche die Geschichte ausgezeichnet eingerahmt haben. Schon jetzt empfehle ich diese Buch jede*r, die es hören möchte ( und nicht) und ich glaube, dieses Buch wird eins meiner neuen Lieblingsbücher. Ich habe noch ein anderes Buch von Elif Shafak im Regal (The Fourty Rules of Love) und ich freue mich schon sehr darauf.

